In der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Science berichten Forscher erstmalig über blutige und tödliche Auseinandersetzungen in der größten Schimpansengruppe im Kibale Nationalpark.
Seit 1995 beobachtete ein Team um Aaron Sandel von der University of Texas in Austin die rund 200 Tiere umfassende Ngogo-Gruppe. Damit war sie weitaus größer als andere bekannte Schimpansengruppen. Forschende vermuten, dass die Größe der Gruppe und frühere Konflikte mit Nachbarn – die nahezu ausgelöscht und deren Weibchen integriert wurden – die Stabilität schwächten.
Von Freunden zu Feinden
Bis 2015 dominierten wechselnde Allianzen, Freundschaften und Hierarchien. Der erste Hinweis auf ein Zerwürfnis tauchte am 24. Juni 2015 auf, als zwei Untergruppen aufeinandertrafen. Die westlichen Schimpansen flohen, verfolgt vom zentralen Lager. Eine ungewöhnlich lange Phase der Meidung von sechs Wochen folgte.
Eskalation in gezielten Angriffen
Ab 2016 starteten Männchen der westlichen Gruppe Patrouillengänge, ab 2017 antwortete das zentrale Lager. Zunächst beschränkten sich Konflikte auf getrennte Gebiete, später wurden gezielte Angriffe registriert. 2018 bestand die westliche Gruppe aus zehn Männchen und 22 Weibchen, die zentrale aus 30 Männchen und 39 Weibchen. Fortan gingen alle beobachteten Attacken von der kleineren westlichen Gruppe aus.
Lektionen für den Menschen
Die Forscher betonen die Bedeutung persönlicher Beziehungen zwischen Untergruppen. Epidemien und Todesfälle von Schlüsselindividuen könnten die Eskalation beschleunigt haben. Sandel weist auf die Parallelen zum Menschen hin: Konflikte entstehen nicht nur durch Kultur, Religion oder Politik, sondern auch durch grundlegende soziale Prozesse und Gruppenidentität.
„Beziehungen über Grenzen hinweg sind ganz, ganz wichtig“, sagt Wittig und verweist auf historische Beispiele wie die Freundschaft zwischen Adenauer und de Gaulle. Auch Menschen könnten von Schimpansen lernen: Kleine, tägliche Handlungen von Versöhnung und Begegnung können Frieden fördern.